Interview
Nachträglich zum Diplom wurde ich vom Jugend und Kulturprojekt e.V. für ein Interview angefragt.
Danke an Olga Yocheva für die Durchführung und den Schnitt des Interviews
und dem JKP e.V. für die Anfrage.


hier geht's zum kurzen Einblick

Ich möchte mich für die vielen Rückmeldungen bedanken. 
Genau 50 Stück lagen in der olfaktorischen Wunsch-Ideen-Beschwerde-Box.
Trotz der olfaktorischen Turbulenzen und der daraus folgenden gutbürgerlichen Beschwerden, bin ich über den Verlauf und das enorme Resonanzfeuerwerk zufrieden mit meiner Diplomarbeit.
Einer der Fakten die sich leider bewahrheitet hat, ist die stark zunehmende destruktive 

 anthropozentrische Entfremdung von der Natur als Lebensursprung.

DER ERDRAUM
- eine multi-sensorische Installation -


 Der Ursprung

Der Ursprung des Raumkonzeptes geht auf eine 5-monatige Freiwilligenarbeit in einem Permakultur-Gartenprojekt während des Lockdowns 2021 zurück.
Ich hatte die Möglichkeit täglich mit den verschiedenen Elementen der Natur zu arbeiten und dabei einen Permakulturgarten in Gelderland (Holland) in kollektiver Zusammenarbeit aufzubauen. Diese Erfahrung war einer der Auslöser meine künstlerische Arbeit den achtsamen Umgang mit der Natur zu widmen.

August 2021 entwarf ich bereits einen Erdraum in meinem Atelier im Hanse 3 e.V.
Dies war eine Art Skizze für meine Diplomarbeit.
 
Natur ist für viele Menschen ein Selbstverständnis geworden, das an die menschlichen Lebensgewohnheiten durch den technischen Fortschritt angepasst wird.
Doch je höher der technische Fortschritt klettert, desto größer wird die Kluft zwischen Natur und Mensch.
Vergessen wird häufig der Fakt, dass wir selber ein Teil der Natur sind und die Natur es ermöglicht hat, dass der Mensch sich überhaupt stark differenziert entwickeln konnte.
In den letzten Jahrzehnten hat sich merklich eine starke Naturentfremdung eingeschlichen.
Diese gesellschaftliche Problematik der Mensch-Natur-Beziehung und deren gefährlichen globalen Folgen haben viele aktivistische Bewegungen entstehen lassen.
Ich als privilegierte, europäische Bürgerin habe mich entschlossen auch einen Teil zur Transformation der eingefahrenen gesellschaftlichen Musterketten beizutragen.
Somit behandle ich in dieser perzeptuellen Installation den achtsamen Umgang mit der Natur. Gleichzeitig ist es ebenso ein weiterer Ausdruck des akuten Zustandes (in dieser Installation: Dürre in Europa) und der Gefährdung des Ökosystems und damit des gesamten Lebens auf der Erde. 

Umsetzung als Diplomarbeit

Drei Hauptmalerein 

Die Klimaaktivistinnen Licypriya Kangujam, Aeshnina Azzahra und Sabyah White: 

 

Licypriya Kangujam 

Ist 10 Jahre alt und lebt im Bundesstaat Manipur in Indien. Sie engagiert sich für den Klimaschutz seit 2007 und initiierte u.a. Klimajugendbewegungen in Indien. Ihr Hauptanliegen ist das Etablieren eines Klimaschutzgesetzes in Indien. Aufgrund ihrer zahlreichen gestalteten Aktionen und Demonstrationen ist sie international bekannt geworden. Dies nutzt sie, um mit weiteren Klimaaktivist*innen zusammen zu arbeiten. U.a. nahm sie am COP25 und World Economic Forum 2020 teil. 

Licypriya Kangujam entwarf zusammen mit Chandan Ghos, Professor am Indian Institute of Technology Jammu das SUKIFU (survival kit oft he future). Dieses wird aus recyceltem Müll hergestellt und ermöglicht die Herstellung von Sauerstoff. (Abb. links)

 

Aeshnina Azzahra 

Lebt in Bangun, Indonesien und ist 14 Jahre alt. Sie engagiert sich für den Stopp des illegalen Mülltransportes verschiedener Industrieländer nach Indonesien. U.a. schrieb sie ein Brief an das Weiße Haus in Amerika mit der Forderung, dass die USA den Export des Abfalles einstellen und selbständig nach einer nationalen Lösung suchen sollte. Weitere Briefe und eine Petition für die Einstellung des Müllimportes nach Indonesien schickte sie an verschiedene Botschaften westlicher Länder. (Abb. Mitte)

 

Sabyah White 

Ist 12 Jahre alt und wohnt in Queensland, Australien. Seit ihrer frühen Kindheit beobachtet sie das zunehmende Absterben der Korallen im Great Barrier Reef (größte Korallenriffkette der Erde). Die große Anzahl an aktiven Kohleminen trägt die Hauptverantwortung für den Zustand des Riffes. Deshalb hat sich Sabyah White zum Zielgesetzt den Ausbau weiterer Kohlminen zu stoppen. (Abb. rechts) 

 

Die Raumelemente 

Erde 

Bei der Erde im Raum handelt es sich um nahrhafter Humus-Erde. 

Sie besteht aus kompostierten Baum-Strauch- und Grasverschnitt. 

Humuserde ist eine wichtige Basis für das Leben auf einer Fläche, denn sie enthält u.a. eine große Vielfalt an Mikroorganismen. Neben ihrer Funktion als Nährboden für unterschiedliche Gewächse, ist sie auch ein gesunder Lebensraum für viele Insekten und ein Großspeicher für CO² und H2O. 

Weiterhin wird sie zur Renaturierung von alten Industrieflächen eingesetzt und kann versuchten Boden z.T. reinigen. 

Im Agrawesen wird zunehmend Humuserde auf Ackerflächen verbreitet um ausgelaugte Böden (durch u.a. jahrelange Monokulturbewirtschaftung, Düngung und schädliches Pflügen) wiederzubeleben. 

Aufgrund der Geruchsproblematik war ich gezwungen Substanzen der Erde zuzufügen, um sie in einem basischen Zustand zu bringen und die Trocknung zu beschleunigen. 

Bei den Substanzen handelt es sich um natürliche Substanzen: 

-        Mineralkalk 

-        Natron 

-        Zerkleinerte Grillkohle 

-        Bentonit 

Nach Beendigung der Ausstellung wird die Erde mit natürlichen sauren Mitteln versetzt damit sie wieder fruchtbar wird. Sie wird zum Nährboden für neue Pflanzen im Hanse 3 e.V. werden. 

 

Birken 

Bei den drei Birken handelt es sich um Bäume, die aufgrund der Gewinnung von Baufläche gefällt wurden. Die Bäume werden nach der Ausstellung zerkleinert und zum Bau oder als Brennholz weiterverwendet. 

Birken sind Pioniergewächse und haben u.a. durch einen kleinen ausgeprägten DNA-Strang eine starke Resilienz gegenüber starken Umwelteinwirkungen bzw. –veränderungen. Dadurch kommt es weniger zu Mutationen innerhalb des Genmaterials. 

Das wiederrum ermöglicht ihnen ein Leben u.a. in verstrahlten Gebieten und auf versiegelten Flächen bzw. ausgelaugten, sandigen Böden mit wenig Mikroorgansimen. 

Birken gelten dadurch als Bäume mit hoher Klimaresilienz und haben damit ein relativ gesichertes Leben  in den kommenden Jahrzehnten. 

 

Dürre 

Dürre ist ein Phänomen u.a. von Wüstengebieten. Doch in den letzten Jahren kommt es auch in Europa zur Desertifikation. Verschiedene klimatische Veränderungen sowie die Folgen vom Agrabetrieb und Aufforstung tragen hierbei die Hauptlast. 

U.a. gab es eine Druckveränderung im Jetstream durch die stärkere Erwärmung des Nordpols als des Äquators. Der Jetstream ist ein Windstrom der über Europa Luftmassen in 10-15km Höhe von West nach Ost trägt. Durch die Druckveränderung ist der Luftstrom abgeschwächt und bildet Schleifen nach Norden und Süden. Die Folge davon ist die Verringerung von den üblicherweise abwechselnden Hoch-und Tiefdruckgebieten. Das Endergebnis ist u.a. ein geringerer Niederschlag. 

 

Durch den geringeren Niederschlag kommt es zu einer Sterbewelle der künstlich angelegten Kiefern- und Fichtenwälder, denn diese sind Flachwurzler und benötigen viel Wasser. Durch weniger Niederschlag hat sich das Grundwasser abgesenkt und die Wurzeln erreichen den Wasserspeicher zunehmend weniger. Die Bäume sind geschwächt und können sich schlechter gegen Schädlinge wie dem Borkenkäfer wehren. 

Kiefern und Fichten wurden angebaut, da es schnell wachsende Bäume sind und ein guten Ertrag im Bauwesen sicherten. 

 

Im Agrawesen wurde die maximale Flächennutzung als Ackerböden beansprucht. Benachbarte Wälder wurden häufig gefällt. Dadurch gibt es kaum Schutz durch Sträucher oder Bäume für die Ackerflächen. Der Windstrom kann ungehindert durchwehen und die Böden mit Leichtigkeit austrocknen. Die Bewirtschaftung von Monokulturen und tiefen Pflügen hat diesen Effekt verstärkt. Die Böden sind trocken und ohne Mikroorganismen. 

Aufgrund des Absterbens der Kiefern- und Fichtenwälder (ca. ½ des Waldbestandes in Dtl.) wird weniger CO²  gebunden und zusätzlich CO²  abgegeben. Dadurch wird die Erwärmung beschleunigt. Auch die ausgelaugten Böden können kein CO² speichern und verbrauchen zusätzliche künstliche Bewässerung mit Grundwasser. Das Grundwasser sinkt, folgend sterben mehr Wälder ab, also weniger CO² kann gespeichert werden. Es wird folglich wärmer und die Luftströme die das Wetter u.a. regulieren verändern sich. Es gibt weniger Niederschlag. Usw. 

Alles ergibt einen Kreislauf der sich über Jahrzehnte ungehindert entwickeln und manifestieren konnte. Es bedarf nun neue Strategien um diesen destruktiven Kreislauf zu verändern, um das Leben der jungen und folgenden Generationen zu sichern. 

Danke an meine Familie, alle Angehörige von Sada Shiva Dham, den Aktiven im Hanse 3 e.V., dem JKP e.V., meine Freunde Otto, Johannis, Ruth, Euro, Fine, Aleks, Tannyffa, Stefan, Holm, Felina, Daniel, Foto Chris, Frida, Phillip, Kerstin, Oli, Pierre, Kristina, Kulturengel Chris und allen Angestellten*innen der HfBK Dresden, für die Unterstützung bei der Realisation meines Diplomes und meines Studiums.